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Modul 6

Modul 6 · Server, Dienste & Linux-Grundlagen

Verstehen, wo Netzwerkkommunikation tatsächlich landet

In Modul 5 hast du gelernt, wie Kommunikation zwischen Client und Server technisch abläuft. Jetzt wechseln wir auf die Gegenseite: Was passiert auf dem Zielsystem? Welcher Prozess nimmt eine Verbindung an, wo liegen Konfigurationen und Logs – und wie bewegt man sich auf einem Linux-System?

Server · Dienste · ProzessePorts · Sockets · PIDLinux · Shell · Logs
Ziel des Moduls: Du sollst Netzwerkkommunikation mit dem Zielsystem verbinden können: vom angesprochenen Port über den laufenden Prozess bis zu Konfiguration, Logdatei und ersten Linux-Kommandos. Damit entsteht die Grundlage für spätere Analysen mit Wireshark, Zeek und OpenSearch.
01 · Zielsystem verstehen

Ein Server ist zuerst eine Rolle

Nach dem Netzwerkpfad endet die Analyse nicht an einer IP-Adresse. Auf dem Zielsystem laufen Prozesse und Dienste, die Anfragen entgegennehmen und verarbeiten.

6.1

Server bedeutet nicht automatisch „großer Rechner“

Ein Server ist vor allem ein System oder eine Anwendung, die anderen Systemen einen Dienst bereitstellt. Ein physischer Rechner kann gleichzeitig Webserver, DNS-Server, Datenbankserver oder andere Rollen übernehmen.

EIN SYSTEM
   │
   ├── Webdienst
   ├── SSH-Dienst
   ├── Datenbank
   └── weitere Prozesse
Merksatz: „Server“ beschreibt häufig eine Funktion. Entscheidend ist, welcher Dienst auf einem System bereitgestellt wird.
6.2

Dienst und Anwendung unterscheiden

Ein Dienst läuft häufig dauerhaft im Hintergrund und wartet auf Aufgaben oder Verbindungen. Auf Linux-Systemen werden solche Hintergrundprogramme oft als Daemons bezeichnet.

CLIENT
  │
  └──── Anfrage ────► SERVER
                       │
                       └── Dienst / Prozess
                           verarbeitet Anfrage

Beispiele sind ein SSH-Dienst für Administration oder ein Webserver, der HTTP-/HTTPS-Anfragen verarbeitet.

6.3

Lokaler Dienst oder Netzwerkdienst?

Nicht jeder Prozess ist aus dem Netzwerk erreichbar. Ein Programm kann ausschließlich lokal arbeiten oder an eine Netzwerkschnittstelle beziehungsweise Adresse gebunden sein.

LOKAL
Prozess ──► nur auf dem System

NETZWERK
Client ──► IP : Port ──► Prozess / Dienst

Für die spätere Analyse ist deshalb wichtig: Ein laufender Prozess allein beweist noch nicht, dass dieser Prozess extern erreichbar ist.

02 · Vom Port zum Prozess

Welcher Prozess nimmt die Verbindung an?

In Modul 5 war ein Port der logische Endpunkt eines Dienstes. Jetzt verbinden wir diese Nummer mit dem tatsächlich laufenden Prozess auf dem Zielsystem.

6.4

Prozess und PID

Ein gestartetes Programm läuft als Prozess. Das Betriebssystem weist einem Prozess eine eindeutige Prozess-ID – die PID – zu.

Programm: nginx
      │
      ▼
laufender Prozess
PID: 1842

Mehrere Prozesse desselben Programms können gleichzeitig existieren und jeweils eigene PIDs besitzen.

6.5

Listening Socket – ein Dienst wartet

Ein Netzwerkdienst kann einen Socket öffnen und auf eingehende Verbindungen warten. Vereinfacht spricht man davon, dass ein Dienst auf einer Adresse und einem Port lauscht.

0.0.0.0:22     LISTEN     sshd
0.0.0.0:443    LISTEN     nginx
127.0.0.1:5432 LISTEN     postgres
Wichtig: 127.0.0.1:5432 deutet darauf hin, dass der Dienst nur lokal gebunden ist. 0.0.0.0 bedeutet vereinfacht, dass auf allen passenden IPv4-Schnittstellen gelauscht wird.
6.6

Vom Client bis zum Prozess

Jetzt lässt sich die Kommunikationskette aus Modul 5 um die Serverperspektive erweitern.

CLIENT
10.20.5.17:52144
      │
      ▼
NETZWERK
      │
      ▼
SERVER
203.0.113.20:443
      │
      ▼
LISTENING SOCKET
      │
      ▼
WEBSERVER-PROZESS
PID 1842

Damit wird aus „Verbindung zu Port 443“ eine technisch präzisere Frage: Welcher Prozess war zu diesem Zeitpunkt an diesen Port gebunden?

03 · Linux-Grundmodell

Linux als Arbeitsumgebung verstehen

Viele Server-, Analyse- und Überwachungssysteme laufen unter Linux. Für den Einstieg müssen wir nicht alles administrieren können – aber wir müssen uns sicher orientieren können.

6.7

Das Dateisystem beginnt bei /

Linux organisiert Dateien in einem gemeinsamen Verzeichnisbaum. Der oberste Punkt heißt Root-Verzeichnis und wird als / geschrieben.

/
├── etc       Konfiguration
├── home      Benutzerverzeichnisse
├── var
│   └── log   viele Logdateien
├── tmp       temporäre Dateien
├── opt       zusätzliche Software
└── usr       Programme und Systembestandteile

Diese Zuordnung ist bewusst vereinfacht. Entscheidend ist zunächst, dass Konfiguration, Programme und Logs an unterschiedlichen Stellen liegen können.

6.8

Dateien, Verzeichnisse und absolute Pfade

Ein Pfad beschreibt den Ort einer Datei oder eines Verzeichnisses.

/var/log/nginx/access.log

/             Ausgangspunkt
var           Verzeichnis
log           Unterverzeichnis
nginx         Unterverzeichnis
access.log    Datei

Ein absoluter Pfad beginnt bei /. Relative Pfade beziehen sich auf das aktuelle Arbeitsverzeichnis.

6.9

Benutzer, root und Rechte

Linux trennt Benutzer und Berechtigungen. Dateien und Prozesse laufen in einem Sicherheitskontext. Vereinfacht begegnen dir dabei die Rechte read, write und execute.

r = lesen
w = schreiben
x = ausführen

root = besonders privilegierter Benutzer
sudo = kontrolliertes Ausführen mit erhöhten Rechten
Arbeitsgrundsatz: Nicht jedes Problem wird mit Administratorrechten gelöst. Rechte sind selbst ein wichtiger Teil der technischen Einordnung.
04 · Erste Linux-Befehle

Orientieren, lesen und gezielt suchen

Die Kommandozeile wirkt am Anfang abstrakt. Für unsere Arbeit reichen zunächst wenige Befehle, mit denen sich ein System strukturiert untersuchen lässt.

6.10

Wo bin ich – und was liegt hier?

pwd        aktuelles Verzeichnis anzeigen
ls         Inhalt eines Verzeichnisses anzeigen
ls -la     detaillierte Ansicht
cd /pfad   Verzeichnis wechseln

Diese Befehle beantworten zuerst die elementaren Fragen: Wo bin ich? und Welche Dateien oder Verzeichnisse existieren hier?

6.11

Dateien lesen und durchsuchen

cat datei.txt
less datei.txt
grep "Suchbegriff" datei.txt

cat gibt eine Datei direkt aus, less eignet sich zum kontrollierten Lesen größerer Inhalte und grep sucht nach passenden Textstellen.

Brücke zu OpenSearch: Das Grundprinzip bleibt gleich: Wir wollen große Datenmengen nicht vollständig lesen, sondern gezielt nach relevanten Merkmalen filtern.
6.12

Prozesse und Netzwerkzustand ansehen

ps aux
ss -tulpn
ip addr

systemctl status ssh
journalctl -u ssh

Diese Befehle zeigen unterschiedliche Perspektiven: laufende Prozesse, lauschende beziehungsweise verbundene Sockets, Netzwerkschnittstellen sowie den Status und protokollierte Ereignisse eines Dienstes.

Hinweis: Welche Optionen verfügbar sind und wie ein Dienst heißt, hängt vom jeweiligen Linux-System ab.

05 · Technische Spuren

Vom laufenden Dienst zum protokollierten Ereignis

Netzwerkpakete zeigen Kommunikation auf dem Transportweg. Das Zielsystem selbst kann zusätzlich protokollieren, was ein Dienst verarbeitet oder entschieden hat.

6.13

Was ist ein Log?

Ein Log ist eine zeitlich orientierte Aufzeichnung technischer Ereignisse. Je nach Anwendung können Startvorgänge, Verbindungen, Fehler, Authentisierungen oder fachliche Aktionen protokolliert werden.

2026-09-15 10:31:05  service=ssh
src=10.20.5.17
event=login_attempt
user=analyst
result=failed

Ein Logeintrag ist dabei immer die Perspektive des Systems oder Dienstes, der ihn erzeugt hat.

6.14

Mehrere Beobachtungspunkte – mehrere Wahrheiten?

Nein. Aber unterschiedliche Datenquellen können unterschiedliche Ausschnitte desselben Vorgangs zeigen.

NETZWERK
Wireshark / PCAP
→ einzelne Pakete

NETZWERK-METADATEN
Zeek
→ strukturierte Verbindungen / Ereignisse

SERVER
Linux / Anwendungslogs
→ lokale Prozess- und Dienstsicht

INDEX / SUCHE
OpenSearch
→ viele Ereignisse durchsuchbar machen
Analytischer Grundsatz: Keine Datenquelle kennt automatisch den gesamten Vorgang. Belastbarer wird ein Befund durch zeitliche und technische Korrelation mehrerer Quellen.
6.15

Vom Server zur späteren Analyseplattform

Logs und Netzwerkdaten können gesammelt, weitergeleitet, aufbereitet und indexiert werden. Damit entsteht eine Analyseumgebung, in der sich einzelne Ereignisse über große Datenmengen hinweg finden lassen.

SERVER / SENSOR
      │
      ├── Logs
      ├── Netzwerkmetadaten
      └── weitere Ereignisse
             │
             ▼
        AUFBEREITUNG
             │
             ▼
         OPENSEARCH
             │
             ▼
     SUCHEN · FILTERN ·
     KORRELIEREN

Damit wird sichtbar, warum Linux-Grundkenntnisse und Netzwerkverständnis keine getrennten Themen sind, sondern Teile derselben Analysekette.

06 · Zusammensetzen

Ein Ereignis aus mehreren Perspektiven lesen

Wir erweitern die Kommunikationskette aus Modul 5 um den Server und seine lokalen Spuren.

6.16

Beispiel: SSH-Verbindung

1. Client
10.20.5.17:53022
        │
        ▼
2. TCP-Verbindung
203.0.113.20:22
        │
        ▼
3. Linux-Server
Port 22 lauscht
        │
        ▼
4. sshd-Prozess
PID 2117
        │
        ▼
5. Authentisierungsversuch
        │
        ▼
6. Logeintrag
result=failed

Netzwerkdaten können zeigen, dass eine Verbindung stattgefunden hat. Der Server kann zusätzlich zeigen, welcher Dienst sie verarbeitet und welches Ergebnis daraus entstanden ist.

6.17

Beobachtung und Schlussfolgerung trennen

BEOBACHTUNG
TCP-Verbindung zu Port 22

MÖGLICHE HYPOTHESE
SSH-Dienst angesprochen

ZUSÄTZLICHER BELEG
sshd lauscht auf Port 22
+
Serverlog dokumentiert Loginversuch

Je mehr unabhängige technische Beobachtungen zusammenpassen, desto belastbarer wird die Einordnung.

07 · Denkfallen

Vier Aussagen, die auf Servern und Linux-Systemen zu kurz greifen

Öffne alle vier Karten. Sie verbinden Netzwerkverständnis mit der neuen Serverperspektive.

0 von 4 erkundet
08 · Gesamtmodell

Verfolge eine Verbindung bis zur späteren Analyse

Klicke dich durch alle Schritte. Das Modell verbindet Netzwerk, Linux und unsere späteren Analysewerkzeuge.

CLIENT / NETZWERK
SERVER-IP + PORT
SOCKET / PROZESS
DIENST / ANWENDUNG
LOG / EREIGNIS
ZEEK / OPENSEARCH
Wichtig: Wireshark, Zeek, Linux-Logs und OpenSearch ersetzen sich nicht gegenseitig. Sie liefern unterschiedliche Sichten auf denselben oder auf zusammenhängende technische Vorgänge.
09 · Praxis

Server, Linux und Beobachtungspunkte sicher zuordnen

Ordne die Aussagen den passenden Begriffen oder Werkzeugen zu. Alle acht Zuordnungen müssen korrekt sein.

Prozess und Netzwerkdienst

Laufende Instanz eines Programms mit eigener Prozess-ID.
Logischer Kommunikationsendpunkt, über den ein Netzwerkdienst angesprochen werden kann.

Linux-Dateisystem

Verzeichnis, in dem typischerweise viele System- und Dienstkonfigurationen liegen.
Typischer Ausgangspunkt für viele klassische Logdateien.

Shell

Zeigt das aktuelle Arbeitsverzeichnis an.
Sucht Textmuster in Dateien oder Textausgaben.

Beobachtung

Kann lauschende und bestehende Netzwerk-Sockets anzeigen.
Kann auf systemd-basierten Systemen Dienstereignisse aus dem Journal anzeigen.
10 · Wissenscheck

Wissenscheck – Modul 6

Für den vollständigen Modulabschluss müssen alle zwölf Antworten korrekt sein.

1. Was beschreibt einen Server am treffendsten?
2. Was ist ein Prozess?
3. Wozu dient eine PID?
4. Was bedeutet LISTEN im Zusammenhang mit einem Socket?
5. Welche Aussage zu 127.0.0.1 ist im Kontext eines gebundenen Dienstes sinnvoll?
6. Wofür steht das Linux-Verzeichnis /etc typischerweise?
7. Welcher Befehl zeigt das aktuelle Arbeitsverzeichnis?
8. Welcher Befehl eignet sich zum Suchen nach einem Textmuster?
9. Was kann ss unter Linux besonders hilfreich anzeigen?
10. Was ist ein Log?
11. Welche Aussage zu Wireshark, Zeek, Linux-Logs und OpenSearch ist richtig?
12. Wie wird aus „Verbindung zu Port 22“ ein belastbarerer technischer Befund?
11 · Transfer & Abschluss

Aus Netzwerkkommunikation wird ein analysierbares Systemereignis

Nach Modul 5 konntest du einen Datenfluss zwischen Client und Server technisch lesen. Nach Modul 6 kannst du diesen Vorgang nun bis auf das Zielsystem verfolgen: Port → Socket → Prozess → Dienst → Log.

CLIENT / NETZWERK
SERVER-IP · PORT
SOCKET · PROZESS · PID
LINUX · DATEISYSTEM · KONFIGURATION
LOGS · EREIGNISSE
WIRESHARK · ZEEK · OPENSEARCH
Zum Mitnehmen: Die spätere Analyse beginnt nicht erst im Werkzeug. Sie beginnt mit einem mentalen Modell darüber, wo Daten entstehen: im Netzwerk, im Betriebssystem, im Prozess oder in der Anwendung. Erst wenn diese Ebenen unterschieden werden können, lassen sich PCAPs, Zeek-Logs und OpenSearch-Ereignisse belastbar zusammenführen.

Im nächsten Schritt kann Linux nun praktisch vertieft werden: Navigation, Dateien, Prozesse, Netzwerkbefehle und Logs werden nicht mehr nur erklärt, sondern in kleinen realistischen Analyseaufgaben angewendet.

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