Systeme finden und miteinander verbinden
In Modul 3 haben wir verstanden, welche Anwendungen miteinander kommunizieren wollen. Jetzt füllen wir das technische Fragezeichen dazwischen: Wie sind Systeme in Netzen organisiert, wie werden sie adressiert und über welche Komponenten erreichen sie einander?
Vom System zum Netzwerk
Ein Netzwerk verbindet technische Systeme. Bevor wir einzelne Pakete oder Protokolle untersuchen, müssen wir verstehen, in welcher Struktur diese Kommunikation überhaupt stattfindet.
Was ist ein Netzwerk?
Ein Netzwerk entsteht, wenn mehrere technische Systeme miteinander verbunden sind und Daten austauschen können. Dazu können Notebooks, Smartphones, Server, virtuelle Maschinen, Firewalls, Router oder andere technische Systeme gehören.
NOTEBOOK │ ▼ NETZWERK │ ▼ SERVER
Wichtig: Ein Netzwerk ist nicht automatisch das Internet. Bereits zwei miteinander verbundene Systeme können ein Netzwerk bilden.
LAN – Local Area Network
Ein LAN beschreibt ein lokales Netzwerk innerhalb eines begrenzten räumlichen oder organisatorischen Bereichs – zum Beispiel eine Wohnung, ein Büro, eine Dienststelle oder ein Rechenzentrum.
PC 1 ─┐
│
PC 2 ─┼── SWITCH
│
PC 3 ─┘WAN – Wide Area Network
Ein WAN verbindet Netzwerke über größere Entfernungen. Auch das Internet lässt sich vereinfacht als Zusammenschluss sehr vieler miteinander verbundener Netze verstehen.
LAN A │ ROUTER │ ├────── WAN / INTERNET ──────┐ │ │ ROUTER ROUTER │ │ LAN B LAN C
Ein Endgerät kommuniziert dabei nicht einfach „mit dem Internet“, sondern über mehrere Netze und technische Systeme mit einem konkreten Ziel.
Wie ein System mit dem Netzwerk verbunden ist
Anwendungen kommunizieren nicht direkt mit einem Kabel oder Funknetz. Dazwischen liegen Betriebssystem und Netzwerkschnittstellen.
Ethernet
Ethernet ist eine der wichtigsten Technologien für kabelgebundene lokale Netzwerke.
COMPUTER │ NETZWERKKABEL │ SWITCH
Für uns ist zunächst entscheidend: Ethernet bildet häufig die technische Grundlage der Kommunikation innerhalb eines kabelgebundenen LANs. Später werden wir Ethernet-Informationen direkt in Wireshark sehen.
WLAN
WLAN ermöglicht Netzwerkkommunikation über Funk. Aus Sicht einer Anwendung kann derselbe Dienst erreichbar sein, unabhängig davon, ob das Endgerät über Ethernet oder WLAN verbunden ist.
NOTEBOOK
)))
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ACCESS POINT
│
▼
NETZWERKDas Netzwerkinterface
Damit ein System an einem Netzwerk teilnehmen kann, benötigt es eine Netzwerkschnittstelle – ein Netzwerkinterface. Beispiele sind Ethernet-, WLAN-, VPN- oder virtuelle Interfaces.
NOTEBOOK ├── Ethernet ├── WLAN └── VPN
Ein Computer kann gleichzeitig mehrere Interfaces besitzen. Deshalb ist „Der Computer hat eine IP-Adresse“ häufig zu stark vereinfacht. Präziser ist: Ein Netzwerkinterface kann eine oder mehrere IP-Adressen besitzen.
MAC und IPv4 richtig einordnen
Netzwerkkommunikation benötigt Adressierung. Dabei begegnen uns unterschiedliche Adresstypen auf unterschiedlichen technischen Ebenen.
Die MAC-Adresse
Innerhalb eines lokalen Ethernet-Netzes besitzen Netzwerkinterfaces MAC-Adressen. Eine typische Schreibweise lautet:
3C:52:82:4A:91:10
Die MAC-Adresse wird für die lokale Netzwerkkommunikation verwendet. Sie ist jedoch keine unveränderliche Personen- oder Geräteidentität: MAC-Adressen können virtualisiert, softwareseitig verändert oder zufällig erzeugt werden.
IPv4
IPv4 ermöglicht die logische Adressierung innerhalb und zwischen IP-Netzen. Eine typische Adresse sieht so aus:
192.168.10.25
Sie besteht aus vier Zahlenbereichen zwischen 0 und 255. Die Adresse besitzt Bedeutung innerhalb der jeweiligen Netzwerkstruktur – sie ist nicht lediglich ein beliebiger Name.
Private IPv4-Adressen
Für interne Netze sind private IPv4-Bereiche vorgesehen:
10.0.0.0 – 10.255.255.255 172.16.0.0 – 172.31.255.255 192.168.0.0 – 192.168.255.255
Dieselbe private Adresse kann gleichzeitig in vielen voneinander getrennten Netzen verwendet werden. 10.1.1.20 kann also in Organisation A und Organisation B existieren, ohne einen Konflikt zu erzeugen.
Öffentliche IPv4-Adressen
Öffentliche IPv4-Adressen können im öffentlichen Internet verwendet werden. Ein internes System kann unter einer privaten Adresse arbeiten, während seine Kommunikation an einem anderen Beobachtungspunkt unter einer öffentlichen Adresse erscheint.
CLIENT
192.168.1.20
│
▼
ROUTER / NAT
│
▼
ÖFFENTLICHE IP
│
▼
INTERNETIP ist nicht gleich Gerät
Eine IP-Adresse kann dynamisch vergeben werden, später einem anderen Interface gehören, gemeinsam von mehreren Systemen nach außen verwendet werden oder Teil virtueller Infrastruktur sein.
09:00 Uhr 192.168.1.50 → Gerät A 14:00 Uhr 192.168.1.50 → Gerät B
Netze strukturieren und verbinden
Ein System muss unterscheiden können, ob ein Ziel im eigenen lokalen Netz liegt oder über andere Netze erreicht werden muss.
Was ist ein Subnetz?
Ein großes Netzwerk kann in kleinere logische Netzbereiche – Subnetze – aufgeteilt werden.
NETZ A
192.168.10.x
ROUTER
NETZ B
192.168.20.xDie entscheidende Frage lautet: Liegt mein Kommunikationspartner in meinem eigenen Netz oder in einem anderen?
Netzmaske und Präfix
Bei IPv4 hilft die Netzmaske beziehungsweise Präfixlänge dabei, den Netzwerkanteil zu erkennen.
IP-Adresse: 192.168.10.25 Netzmaske: 255.255.255.0 Kurzform: 192.168.10.25/24
Für dieses Modul musst du keine komplizierten Subnetzberechnungen durchführen. Entscheidend ist das Prinzip: Netzmaske und Präfix helfen zu bestimmen, welche Ziele lokal und welche außerhalb des eigenen Netzes liegen.
Default Gateway
Liegt ein Ziel außerhalb des eigenen lokalen Netzes, benötigt der Computer einen nächsten Ansprechpartner – typischerweise das Default Gateway.
CLIENT
192.168.10.25
│
▼
DEFAULT GATEWAY
192.168.10.1
│
▼
ANDERE NETZEDer Switch
Ein Switch verbindet Teilnehmer innerhalb lokaler Ethernet-Strukturen. Vereinfacht lernt er, über welche Anschlüsse bestimmte MAC-Adressen erreichbar sind.
PC A ──────┐
│
PC B ─── SWITCH ─── SERVER
│
PC C ──────┘Der Router
Ein Router verbindet unterschiedliche IP-Netze miteinander.
192.168.10.0/24
│
▼
ROUTER
│
▼
192.168.20.0/24Moderne Geräte können mehrere Funktionen kombinieren. Ein typischer Heimrouter kann gleichzeitig Router, Switch, WLAN Access Point, DHCP-Server, NAT-System und Firewall sein. Das physische Gerät und seine Funktionen dürfen deshalb nicht verwechselt werden.
ARP, DHCP und NAT zusammendenken
Jetzt verbinden wir logische IP-Adressierung mit lokaler Übertragung und automatischer Netzwerkkonfiguration.
ARP – Wer hat diese IPv4-Adresse?
Ein System kennt möglicherweise die IPv4-Adresse eines lokalen Kommunikationspartners, benötigt für die Ethernet-Übertragung aber dessen MAC-Adresse. ARP – Address Resolution Protocol – hilft bei dieser Zuordnung.
Bekannt: 192.168.10.50 Gesucht: MAC-Adresse
IP zu MAC im lokalen Netzwerk
Vereinfacht fragt ein System im lokalen Netz: „Wer hat 192.168.10.50?“ Das passende Interface antwortet mit seiner MAC-Adresse.
IP-ADRESSE ↓ logische Netzwerkadressierung MAC-ADRESSE ↓ lokale Ethernet-Adressierung
ARP beantwortet dabei nicht, welcher Mensch eine Adresse nutzt. Es hilft technisch dabei, eine lokale IPv4-Adresse einer Netzwerkschnittstelle zuzuordnen.
DHCP – automatische Konfiguration
Ein Endgerät benötigt unter anderem IP-Adresse, Netzmaske und häufig ein Default Gateway. DHCP kann diese Netzwerkkonfiguration automatisch bereitstellen.
NEUES GERÄT
│
▼
„Ich brauche Netzwerkkonfiguration.“
│
▼
DHCP-SERVER
│
▼
IP · Netzmaske · Gateway · weitere ParameterDHCP macht den Zeitbezug besonders wichtig: Dieselbe IP-Adresse kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedlichen Geräten beziehungsweise Interfaces zugeordnet sein.
NAT – Adressen zwischen Netzen übersetzen
NAT – Network Address Translation – kann private IPv4-Kommunikation beim Übergang in andere Netze auf eine andere sichtbare Adresse umsetzen.
CLIENT
192.168.1.25
│
▼
NAT / ROUTER
│
▼
198.51.100.20
│
▼
INTERNETIPv6 erkennen und grundlegend lesen
IPv6 erweitert den Adressraum erheblich und bringt eigene Mechanismen mit. Für den Einstieg geht es um Erkennen, Lesen und Einordnen – nicht um tiefe Administration.
Warum IPv6?
IPv4 bietet nur eine begrenzte Anzahl möglicher Adressen. IPv6 verwendet 128-Bit-Adressen und stellt damit einen sehr viel größeren Adressraum bereit.
IPv4: 192.168.1.25 IPv6: 2001:db8:1234:5678:abcd:ef01:2345:6789
IPv6-Schreibweise
IPv6-Adressen werden hexadezimal geschrieben. Führende Nullen können weggelassen und zusammenhängende Nullbereiche mit :: verkürzt werden.
Lang: 2001:0db8:0000:0000:0212:34ff:fe56:7890 Kompakt: 2001:db8::212:34ff:fe56:7890
IPv6-Präfix
Auch IPv6-Adressen besitzen einen Netzanteil. Ein Beispiel ist:
2001:db8:1234:5678::/64
Das /64 beschreibt die Länge des Netzwerkpräfixes. Das Grundprinzip „Netzanteil plus weiterer Adressanteil“ kennen wir bereits von IPv4.
Link-local
IPv6-Link-local-Adressen beginnen typischerweise mit fe80:: und dienen der Kommunikation innerhalb des lokalen Links.
fe80::7c2a:91ff:fe12:3456
Ein Interface kann gleichzeitig eine Link-local-Adresse und weitere IPv6-Adressen besitzen.
IPv4 und IPv6 parallel
IPv6 hat IPv4 nicht schlagartig ersetzt. Moderne Systeme verwenden häufig beide Protokollfamilien parallel – oft als Dual Stack bezeichnet.
INTERFACE ├── IPv4: 192.168.10.25 ├── IPv6: 2001:db8:1234:10::25 └── IPv6 Link-local: fe80::1234:5678
Neighbor Discovery konzeptionell
IPv6 verwendet nicht einfach ARP. Stattdessen übernimmt Neighbor Discovery unter anderem Aufgaben bei der Erkennung lokaler Nachbarn und der Netzumgebung.
IPv4 → ARP IPv6 → Neighbor Discovery
Die konkreten Nachrichten und Protokolldetails betrachten wir später. Hier zählt das Konzept.
Physische Nähe ist nicht gleich logische Nähe
Professionelle Netze werden strukturiert und getrennt. Zum Abschluss sehen wir erstmals, wie bekannte Adressen in echten Netzwerkdaten auftauchen.
VLAN – ein Switch, mehrere logische Bereiche
Mit VLANs – Virtual Local Area Networks – können Systeme logisch voneinander getrennt werden, obwohl sie an derselben physischen Switch-Infrastruktur angeschlossen sind.
SWITCH
/ | \
/ | \
VLAN 10 VLAN 20 VLAN 30
Clients Server AdminNetzwerksegmentierung
Segmentierung teilt größere Netze in kleinere Bereiche. Benutzer-, Server-, Administrations-, Gäste- oder Testnetze können voneinander getrennt werden.
CLIENT-NETZ
│
▼
ROUTING / FIREWALL
│
▼
SERVER-NETZZwei Systeme innerhalb derselben Organisation müssen deshalb nicht direkt miteinander kommunizieren können. Die Architektur bestimmt, welcher Kommunikationsweg überhaupt möglich ist.
Erster Wireshark-Blick: Ethernet und IP
Wireshark kann Netzwerkverkehr aufzeichnen und einzelne Pakete sichtbar machen. Noch analysieren wir keine komplexen Protokolle. Wir suchen nur nach Dingen, die wir bereits kennen.
Ethernet ├── Source MAC └── Destination MAC IP ├── Source IP └── Destination IP
Die erste wichtige Frage lautet dabei: An welchem Netzwerkinterface und an welchem Beobachtungspunkt wurde aufgezeichnet? Ein Mitschnitt auf dem falschen Interface kann den relevanten Verkehr vollständig verfehlen.
Vier Aussagen, die technisch zu kurz greifen
Öffne alle vier Karten. Entscheidend ist nicht das Auswendiglernen, sondern die saubere Trennung zwischen technischer Beobachtung und Schlussfolgerung.
Vom Client zum Zielsystem
Baue den Netzwerkpfad Schritt für Schritt auf. Das Modell ist bewusst vereinfacht und verbindet die zentralen Begriffe dieses Moduls.
Netzwerkbegriffe sicher zuordnen
Ordne die Aussagen den passenden Begriffen zu. Alle acht Zuordnungen müssen korrekt sein.
Netzgeräte
Adressierung
Lokales oder entferntes Ziel?
Lokale Hilfsmechanismen
Wissenscheck – Modul 4
Für den vollständigen Modulabschluss müssen alle zwölf Antworten korrekt sein.
Das Fragezeichen zwischen Client und Server ist kleiner geworden
Nach Modul 3 wussten wir, welche Anwendungen miteinander kommunizieren wollen. Nach Modul 4 können wir die beteiligte Netzwerkstruktur erstmals fachlich einordnen.
Als Nächstes wechseln wir von der Netzstruktur zum eigentlichen Kommunikationsvorgang: Protokolle, Schichten, Header, Payload, Routing, TCP, UDP, ICMP und Ports.